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Die erzählte Welt Thomas Manns ist durchtränkt von Religiösem – ein unablässiger Zug von Pastoren, Priestern, Mönchen, von Frommen und Frömmlern, von Heiligen und Sündern, von religiösen Fanatikern und von Ketzern durchzieht die Romane und Erzählungen; aus keinem Buch ist öfter zitiert als aus der Bibel. Die Welt Jakobs und Josephs liefert den Stoff zu Thomas Manns gewaltigstem Roman, Christus erscheint immer wieder, in vielfacher Gestalt. Aber schon in den «Buddenbrooks» begegnen auch antike Götter. Religiöses findet sich in vielen Essays, ist in den Tagebüchern ebenfalls präsent, nicht zuletzt im Bemühen, unablässig Rechenschaft abzulegen: Religion wird dort zur Selbstprüfung. Im Spätwerk gewinnt der Begriff der «Gnade» eine immer grössere Bedeutung. «Gnade ist es, was wir alle brauchen», sagte er 1953 zu Studenten. Wer im Schatten der riesigen Lübecker Marienkirche aufwuchs, dem war Religiöses schon von Haus aus mitgegeben.